1919

Die Geschichte unserer Bäckerei begann im Jahre 1919. Das Ende des Ersten Weltkrieges ordnete Europa neu und sorgte, auch wenn der Krieg verloren war und es viele Verluste zu beklagen gab, für eine Aufbruchstimmung. So auch für Christian Lyck, der den 1909 begonnenen Bau seines Hauses in Elmschenhagen fortsetzte und beendete. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges sorgte für einen vorübergehenden Baustop. Die Backstube, die sich im hinteren Teil des Gebäudes befand, war Teil eines landwirtschaftlichen Hofbetriebes. Zu damaliger Zeit war es keineswegs unüblich, zwischen Bäckerei und Nutztierhaltung eine Zweckgemeinschaft zu bilden. Schließlich konnten die nicht verkauften Backwaren an die Tiere verfüttert werden!

Christian Lyck (r.) im Kreise seiner Gesellen. 

Das Haus stand als Solitär inmitten eines kräftigen Weidegebietes. Das ursprüngliche Grundstück umfasste die Wiesen rund um den Tröndelsee. Auch der See selbst gehörte zum Anwesen. Wer heute den eng bebauten Ellerbeker Weg entlang fährt, dürfte vermutlich Schwierigkeiten haben, sich das ganze Gebiet als Wiese, mit ein paar vereinzelt stehenden Häusern und ohne die Straße vorzustellen. Da sich in diesem Umfeld ein Ladengeschäft durch fehlende Kundschaft nicht lohnte, wurde entsprechend reagiert. Christian Lyck zog mit seiner Frau Rosa zu den Wochenmärkten der Umgegend. Auch vereinzelte Bauernhöfe wurden dabei angefahren. Aus den Spuren, die die beiden mit Pferd und Wagen  in den grasigen Untergrund fuhren, dürfte später einmal der Ellerbeker Weg entstanden sein.

Rosa Lyck

Später übernahm der Sohn Waldemar Lyck den Betrieb. Mit seiner Ehefrau Erika baute er in dem Stammhaus ein Ladengeschäft, genau an der Stelle, an der es sich  noch heute befindet. Aus diesem Laden von der Größe eines kleinen Zimmers entwickelte sich der gute Ruf, den man heute mit der Bäckerei Lyck verbindet! Die Bäckerei wuchs zu beachtlicher Größe, es wurden reichlich Gesellen beschäftigt und die Weichen für eine glückliche Zukunft waren gestellt. Doch das Übel in Form des Zweiten Weltkrieges brach über Deutschland herein und zog in seinem Strudel auch die Familie Lyck in seinen Bann: in den letzten Kriegsjahren wurde der leidenschaftliche Motorradfahrer Waldemar als Kradfahrer in den Krieg gezogen und geriet in russische Gefangenschaft.

Waldemar Lyck (2. v. r) und Mitarbeiter

1945 war der Spuk des Krieges vorbei. Deutschland lag in Schutt und Asche. Auch die Reichsmarinestadt Kiel wurde schwer getroffen. Elmschenhagen blieb weitestgehend verschont. Auch wenn hier die Wohnungen der Werftarbeiter lagen, war dort keine Kriegsindustrie angesiedelt. Doch im Zuge der Kieler Bombardierung verstreuten sich die Bomben um das gesamte Hafengebiet. Selbst heute werden bei Bauarbeiten gerade auf dem Ostufer noch oft Blindgänger gefunden, die auch fünfzig Jahre nach Kriegsende nichts von ihrer Gefährlichkeit eingebüßt haben. Ein weiterer Schicksalsschlag traf die Familie zur Zeit des Kriegsendes. Im Mai 1945 wähnte man sich sicher. Hitler war tot, Deutschland hatte kapituliert. Es galt jetzt, die Zukunft neu zu gestalten. Um so bitterer war eine der letzten Bomben, die ein englischer Flieger vermutlich wahllos auf Kiel abwarf und am 6. Mai 1945 das Gebäude der Bäckerei Lyck traf. Die Backstube mit den darüber liegenden Gesellenstuben sowie ein Wohnhaus hinter dem Hauptgebäude wurden zerstört. 

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Backhaus von einer Bombe getroffen.

Zum Glück blieb dieses bis auf die Rückfront unversehrt. Aber die Existenzgrundlage der Bäckerei war ausgelöscht und Erika Lyck musste jetzt zusehen, wie sie sich und ihre vier hungrigen Mäuler satt bekam. Für sie kam nur die Fortsetzung des Ladengeschäftes in Frage. Allerdings nicht mehr als Bäckerei, sondern als Lebensmittelgeschäft. Auch wenn die Zeiten während der Währungsreform nach dem Schrecken des Krieges wieder als ausgelassen bezeichnet werden durften, konnte nichts über die schwierige Situation in den fünfziger Jahren hinwegtäuschen: viele versuchten damals den Sprung in die Selbständigkeit. Allein am Ellerbeker Weg existierten sieben Geschäfte. Die älteren Elmschenhagener werden sich vielleicht noch erinnern an Frau Rabe, bei der man Milchprodukte erhielt, an den Gemüsehändler Held oder an Frau Ohms, die ebenfalls mit Lebensmitteln handelte. Auch einen Krämer, Herrn Finn, bei dem man vom Fingerhut bis zum Gartengerät alles für den täglichen Bedarf erhielt und dessen Geschäft noch immer die altmodische Bezeichnung Kolonialwaren trug, gab es am Weg, ebenso den Schuster Riesenbek. 

Doch der Lauf der Geschichte zeigte, dass es für die kleinen Händler keine Überlebenschance gab. Ein Geschäft nach dem anderen schloss die Pforten für immer. 1957 ehelichte Christian Lyck, der den Weisungen seines Vaters folgte und eine Bäckerlehre abschloss, seine Frau Ingrid und arbeitete als Geselle bei einigen bekannten Kieler Bäckern. Nebenher hielt er mit seiner Frau das Geschäft am Ellerbeker Weg aufrecht. Sie stand hinter dem Ladentisch und verkaufte sowohl Lebensmittel als auch Backwaren, die von Kieler Bäckern angeliefert wurden. 

Die "Alten"

Ingrid Lyck ist immer noch die gute Seele unserer Bäckerei und hilft, wo sie kann. Christian heißt bei den Gesellen einfach nur "der Meister".

Einer Legende nach soll die Entscheidung, selbst eine Backstube zu gründen, darauf zurück zu führen sein, dass Christian Lyck aus den Äpfeln des eigenen Gartens einen allerersten Apfelkuchen im Küchenherd buk, der Furore machte. Vom Erfolg seines ersten eigenen Backwerkes überrascht, legte Christian Lyck seine Tätigkeit als Arbeitnehmer nieder und richtete in dem von ihm eigenhändig wieder aufgebauten Backhaus seine eigene Backstube ein. Dies war eine richtige Entscheidung, denn das Überleben als "Tante Emma"-Laden am Ellerbeker Weg lässt sich sicherlich dadurch begründen, dass hier nicht nur verkauft, sondern auch produziert wurde. Kein Zweifel, die Bäckerei Lyck war zu diesem Zeitpunkt eine der kleinsten Bäckereien in Kiel. Der klassische Ein-Mann-Betrieb schaffte nur das Notwendigste: so wurden bunte Brötchen nach wie vor von anderen Bäckern angeliefert und das Brot teilweise von der Industrie. 

Das änderte sich, als Christian Lyck 1979 das Personal verdoppelte: sein Sohn Kai begann die Bäckerlehre bei seinem Vater. Ab diesem Zeitpunkt wurden die Weichen für die Bäckerei neu gestellt. Dieser jetzt Zwei-Mann-Betrieb war in der Lage, nach und nach alle Bäckereiprodukte selbst herzustellen und die Fremd-Anlieferungen abzuschaffen. So entstand aus dem Vater-Sohn-Team langsam eine richtige Bäckerei. Auch die ersten Gesellen wurden eingestellt und die ersten Lehrlinge ausgebildet. Dann begann das, was bis heute unverändert den Ruf der Familie Lyck im Bekanntenkreis prägte: "Backen und Bauen". Durch mehrere Anbauten wurde der Betrieb, der 1989 auf den Sohn überschrieben wurde, kontinuierlich erweitert. Auch die ersten Filialen entstanden. 

Heute sorgen Ilka und Kai Lyck mit ihren Mitarbeitern dafür, dass handwerklich hergestellte Backwaren aus Elmschenhagen der Kieler Bevölkerung ein Begriff sind.

Ilka Lyck, nicht nur bei den Kunden beliebt, auch die Mitarbeiter mögen Sie.

 

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